May/June 2025_Continental Drift (Liverpool/UK): Alles Gute
I first came across the music of Leipzig band DER ELEGANTE REST in the days of MySpace, a forerunner of Facebook. (Social media platforms being the playthings of billionaires with a penchant of manipulating politics were a thing in the far distant future.) In those days you could be arty, creative, collaborative and even beautiful. I was so inspired by Der Elegante Rest that i flew to Berlin to see them in concert. In those days the internet was at its best. It connected people. There was no divisiveness.
Then the capitalists moved in. MySpace became ‚their space‘. They introduced advertising and things called ‚protocols‘. You could stay if you followed them, but they ‚had‘ to remove some of our art and so, disillusioned, one by one, we all left to pastures new. Some people stopped making their art alltogether.
Others, like Der Elegante Rest and even Continental Drift, survived, found new ways to make art and carried on, but things were never the same again. Leipzig was still Leipzig, Liverpool was still Liverpool, but somehow they were now further away from each other. Life got in the way and friends lost touch. Singer-Songwriter and band leader Jörg Wolschina has lived and is defined by some of that history, but he still goes his own way and, alongside his faithful lieutenant of alternative rock and pop, drummer Andreas Schwaiger, makes utterly original and beautiful music. Alles Gute ***** (All The Best) is Der Elegante Rest’s sixth studio album since 2008’s debut, Warten auf das Ende der Welt ***** (Waiting For The End Of The World). These days Wolschina surfs the ups and downs of relationships with children on the scene, has a working life to negotiate, and ’stupid people‘ and ruts to avoid. He holds a mirror up to his life and finds poetry and beauty there. Wielding his pen like a razor blade of wit he finds happiness in the air around poplars, time to play behind the boss’s back, and melancholy in the ageing process. The subject matter of his songs may be more adult now and reflect maturity and experience, but they are still honest, precious and pure.
The soundtrack is also something to treasure – at times minimal and bare; at others full and warm. The melodies have esoteric qualities heading off in unexpected directions. You can almost hear the band searching for something different; for a place they’ve never been to before. This is the very peak of the art of songwriting. Sometimes it will fail, but sometimes it will lift your spirit, give you a belly laugh or two, and take you to amazing places. This is the music i love and for as long as Der Elegante Rest continue to reach for impossible stars, it’s the music I will continue to love for as long as I have breath in my lungs. Eddie Cooney
März 2025_Kreuzer (DE): Alles Gute
„Bitte vor R.E.M. einsortieren“ nannte Knarf Rellöm vor vielen Jahren ein Album, auf dass ihn auch der letzte Plattenbesitzer vor Michael Stipes Bestseller-Band platziere und Herrn Rellöm ein paar zusätzliche Einnahmen beschere. – Daran erinnerte ich mich neulich, als ich nach langer Zeit mal wieder ans CD-Regal trat – die Jüngeren unter Ihnen fragen bitte ihre Eltern, was das ist –, um anlässlich dieser Zeilen die Alben der ehemals Leipziger Band Der Elegante Rest rauszufischen. Und siehe da: Die Jahre und das Alphabet haben die drei Alben direkt vor denen von Element of Crime einsortiert (und hinter Eins Zwo, aber das führt uns weg von der ansonsten so stringenten Argumentation). Im Unterschied zu Knarf Rellöm und R.E.M. passt es hier auch stilistisch sehr gut.
„Sehr gut“ im Sinne von: Warum zur Hölle hat Der Elegante Rest nicht wenigstens ein einziges Mal die Vorband für Element of Crime geben dürfen? Es hätte der 2007 in Leipzig gegründeten und nie auch nur in bisschen groß geworden Band um Jörg Wolschina geholfen – und es hätte weder die Band üerfordert noch das Publikum enttäuscht. Man muss Songs wie „Der Teufel kam von nebenan“, „Frösche im Regen“ und „Ich kann nichts für dich tun“ gar nicht kennen, um in regenerische Stimmung zu kommen. Man kann sie aber sehr gut wie das Elegante Gesamtwerk auf der Bandcamp-Seite der Gruppe nachhören – und dabei ein paar Perlen zwischen Indie-Rock und -Pop finden. Gitarre und Keyboard sorgen darin bei aller Melancholie in den Texten für gute Laune und lockere Füße. Letzteres vor allem in „La Dolce Vita“ und „Hawaii“, um hier auch mal ein paar schmissige Eigentlich-Hits zu nennen.
Nun also, 18 Jahre nach der Band-Gründung: „Alles Gute.“ Wie „Lessons in Japanese“ aus dem Jahr 2016 erscheint es als Vinyl, als das insgesamt fünfte Album der Band seit 2008. Und vielleicht gibt der erste Song der neuen Platte ja doch noch einen Schub. Er heißt: „Wir sind hier, um aus dem Knick zu kommen.“ Benjamin Heine
Oktober 2016_Der Bagger (AT): Lessons in Japanese
Die Band um Jörg Wolschina legt ihr viertes Album vor: Ein wohltuendes Stück
Indie-Pop, das die Romantik der Gewöhnlichkeit feiert.
Eigentlich könnte man sich über die Fülle an Musik aufregen und laut schreien, dass
alle endlich auch mal die Klappe halten sollten. Man könnte jeden auf die Massen
losgelassenen Song, zumal wenn er schlecht ist, schon dafür schelten, dass er sich
für wichtig genug hält, der universalen Kakophonie noch mehr Lärm hinzuzufügen.
So werden wir von manchen, auf die Hörgewohnheiten und Breitenwirkung hin
getrimmten Popsongs regelrecht nervgetötet, wenn wir sie hören müssen, andere
legen sich angenehm ins Ohr und lösen interessante Stimmungen aus.
Die deutsche Band Der Elegante Rest, die vor allem aus Jörg Wolschina besteht,
veröffentlicht diese Woche das Album Lessons in Japanese und es gehört
erfreulicherweise zur zweiten Kategorie, wenngleich einige bewusste Ausflüge ins
Kratzige und Nervige unternommen werden. Das Album enthält 13 gehaltvolle
Lieder, die wissen, was sie wollen.
Gut ist es auch deshalb, weil es den Wegwerfbrei unterwandert und nüchtern
musikalische Qualität dagegenhält. Inhaltlich geht es um die Liebe, die Normalität
und die stetige und etwas einsame Behauptung vor der Masse aus Oberflächlichem
und Redundanz. Die herausragendste Qualität des Albums sind Wolschinas Texte.
Die Musik könnte man, wenn gleich die Genre-Bezeichnung auf der Facebook-Seite
„Verlust in allen Bereichen“ lautet, als Indie-Pop deutscher Schule mit gewinnendem
„Retrochic“ bezeichnen. Sie ist vielschichtig, ausgereift arrangiert, tendiert zur
Schwermut und zwielichtigen Zwischentönen bis hin zur Dissonanz. Von britischem
Rock ist viel dabei, Gitarren und Keys dominieren, aber auch Synths wurden
eingesetzt. Die programmatische Zeile „Du wirst nie wieder so aussehen wie der
frühe Mick Jagger“ aus dem Song Haarausfall rahmt mit ihrer Rückwärtsgewandtheit
die Stilrichtung der Texte. Es geht ums Nachgeben und Nichtmitmachen, und -
getreu dem Bandnamen – den eleganten Umgang mit den Resten. Mit Barsaxophon
beginnt Frösche im Regen die Müdigkeit des Protagonisten zu erläutern. „Und wenn
hier jemand meint das wär nicht klug / lass ich ihn einfach schweigend in Ruh.“
Keine Aggression, sondern ironische Abkehr vom Firlefanz, und auch eine Liebe für
charmante Popkultur und die Romantisierung des Alltäglichen spricht aus den
Liedern. Vor allem Last life in the universe, das auch den Albumtitel näher ausführt,
begeistert mit der schleppenden Schönheit eines Nick Cave oder David Bowie.
Wolschina gibt den „last man standing“ und erklärt uns in eloquenten Bonmots seine
Überdrüssigkeit. Morbid freundlich werden jede Menge Vanitassymbole genannt,
meist beharrend auf dem trotzdem: „This is a party Song that makes the party going
on / ein Plastikschwert und jede Menge Zucker / ich vertrag zwar nicht mehr so viel
wie früher / aber ich kann liegen, sitzen, stehen und reden.“ Er bricht die Hysterie
runter auf verspielten Ernst, passend dazu piepst am Ende dieser bewusst
unangenehm tönenden Melodien auch der Wecker: „Ungeschönt am Morgen / Bingo
die ganze Nacht / ihr macht alles richtig / ich mach nur Spaß.“
Am gelungensten wirkt das Lied Halsabschneiderblues. Es fordert rhythmisch
drängend die Liebe heraus, um dann zu einem flirrenden „Tanz um den heißen Brei“
zu modulieren. Etwas simpel ist zwar der Refrain „Bleib mit mir / sei mein Held / und
uns gehört die ganze Welt“. Und auch Schuster ist aus nämlichen Gründen bis auf
den Reim „Ich lauf alleine nach Berlin / und treff mich dort mit Anne-Kathrin“ und den
Schlussausruf eher schal. Zu oft werden Sprichwörter unverändert eingebaut. Auch
wenn sie meist intelligent kontextualisiert werden, lassen diese Zeilen Originalität
vermissen. Wohltuend aus der Struktur-Rolle fällt das improvisatorische Silent
Path mit seinen schrammenden Clustern, der Orgel und den Auszuckern, die von
lieblichem Gezupfe abgelöst werden. Schwarzer Reiter besingt den Kontrast
zwischen nächtlicher Exaltation und der Rückkehr in den Stadtalltag: „Gestern hast
du Blut geleckt und heute bringst du den Müll raus.“ Hinter den Bildern verstärkt
noch einmal das Lob des Subterrains, mit dem versöhnlichen Ende „Und wir können
jetzt aufhören zu streiten / ich glaub die Leute lieben uns sehr“. Die
Singleauskopplung Silvester verabschiedet uns ohrwurmtauglich in eine ambivalente
Dunkelheit: „Sag einfach auf Wiedersehn / Hier kommt die Nacht wie ein Haufen
Geld / ich war auf Liebe eingestellt“.
Abrundend kann man von einem poetischen Stück Indie-Pop sprechen, das auf dem
Boden bleibt, auf dessen Wohlgeformtheit man sich verlassen kann, das textlich und
musikalisch auftrumpft und das sich wohl in den letzten Abendstunden am besten
macht.
Juni 2016_Soundkartell (DE): Lessons in Japanese
Das Soundkartell stellt Euch heute das neue Album „Lessons in Japanese“ von Der
Elegante Rest vor. Wieso ihr Euch auf was gefasst machen müsst, lest ihr hier.
Das Album ist eine Wucht! Es überrascht einen. Unfassbar. Uns wird hier Musik vor
die Nase gehalten, die es nicht geben dürfte. Das sagen sie mir zumindest im
Promo-Text. Der Elegante Rest macht Schlager. Wäre jetzt mein erstes Urteil.
Wirklicher Pop ist das nicht. Wired-Pop vielleicht. Deutschsprachig und total
verschroben. Absolut nicht strukturiert mag man meinen. Absolut nicht so, wie wir es
erwarten würden für einen Songschreiber aus Berlin. Ah wobei, Berlin. Ja da war
doch was. Das Nest für hippe Musiker, die sich gerne mal ausprobieren. Auch wenn
es dann nicht funktioniert. Auf die Gefahr hin, dass es niemand konsumiert. Doch
das ist alles vollkommen egal. Absolut nebensächlich denn es geht ihm um Frösche
im Regen. Um die Partys, Bingo, um Haarausfall und einen Schuster. Total
abgefahren. Finde ich auch.
Aber Stopp. Der Elegante Rest ist eine Band: Jörg Wolschina (Voc/Git), Andreas
Schwaiger (Drums), Daniel Dexter (Keyboards) und Philipp Rohmer (Bass). Dann
macht es das Ganze zwar nicht weniger verwirrend und aufreibend. Denn das ist es
was zumindest die Musik von Der Elegante Rest bei mir auslöst. Also absolut nicht
negativ gemeint. Aber mich beschäftigen die Texte. Ich hinterfrage so ziemlich alles,
was dabei in den Songs herauskommt.
„Geiz mit Stipendien. Geiz mit Musik. Ich hatte keine Ahnung. Ich weiß nicht woran’s
liegt.“
Das Album ist etwas für die besonders aufmerksamen Zuhörer. Am Rande oder nur
nebenbei lässt sich die Musik nicht konsumieren. Die Texte sind wirklich
herausragend geschrieben. Mit der Disharmonie muss man leben. Aber das klingt
spätestens beim zweiten Durchgang dann schon ganz anders. Wir müssen nur
aufpassen, dass es nicht zu nervtötend wird. Denn Der Elegante Rest ist mit dem
neuen Album nicht um’s Eck gekommen, um Euch zu schonen. Im Gegenteil. Niklas
Kolell
Mai 2016_TAZ (DE): Lessons in Japanese
Guter Bandname = gute Band. Diese Rechnung geht einigermaßen auf im
Falle der Berliner Combo Der Elegante Rest (D. E. R.). Mastermind des Quartetts ist
Sänger und Gitarrist Jörg Wolschina, den als umtriebig zu bezeichnen eher
untertrieben wäre. Der aus Leipzig übergesiedelte Wolschina spielt noch bei Berlins
neuer Post-Pop-Hoffnung Oum Shatt, zudem hat er in den vergangenen Jahren
in den Bands LOT, Der Empfang, Boundary JIM, August in Rom und zeitweise
bei Die Stahlharten Bäuche mitgewirkt. Nun widmet sich Wolschina also mal
wieder Der Elegante Rest, die es schon seit neun Jahren gibt und bereits drei Alben
veröffentlicht haben. So richtig bekannt sind sie nicht geworden, eher blieben sie ein
Geheimtipp. Mit „Lessons in Japanese“ hat Wolschina nun ein chansoneskes,
bluesiges und jazziges Songwriteralbum veröffentlicht, das tolle Momente hat,
mit dem sie diesen Status aber wohl beibehalten werden. Was schade wäre, denn
ein paar Hits hat „Lessons in Japanese“ durchaus. Der erste Track „Verdammtes
Leben“ etwa ist kurz, knackig, pointiert – und klingt, als hätte Jochen Distelmeyer die
Selbstironie (wieder-)entdeckt oder Gisbert zu Knyphausen zu seiner Traurigkeit
einen lakonischeren Unterton geaddet. „Frösche im Regen“ ist ein ebenso
formidables, eher Element-Of-Crime-artiges Stück, und mit „Schuster“ feiert
Wolschina später dann den Orgelblues. Das Stück hat so schöne Verse wie: „Geld
spielt keine Rolle / sagte der Playboy zu der heiligen Jungfrau Maria / ich denk mir nur
Schuster / bleib bei deinen Leisten / es ist nicht weit von mir zu dir“. Auch mit
Jazzpunk kann Der Elegante Rest aufwarten, wie „Haarausfall“ beweist. Alternden
Rockliebhabern könnte dieser Song Trost bieten: „Du wirst nie wieder so aussehen
wie der frühe Mick Jagger“, singt Wolschina da und bedauert das auch bei ihm
selbst spärlicher werdende Haupthaar (obwohl er dem frühen Mick Jagger weitaus
näher ist als dem späten). Die Lyrics sind durchgängig gut und unpeinlich, was man
für das Genre deutschsprachiger Songwriter/Blues gar nicht hoch genug bewerten
kann. Nur bleiben einige Songs musikalisch zu überraschungsarm. „Last Life In The
Universe“ mäandert etwa balladesk wie Hintergrundmusik vor sich hin, „Bingo“ hat
allzu gängige Bluesrock-Riffs und „Wenn du es gut meinst“ ist eine Keyboard-
Ballade, wie man sie wohl schon zu oft gehört hat. Der Rest aber ist elegant. Jens
Uthoff
Mai 2016_DIFFUS (DE): Lessons in Japanese
Mit guten Texten und kleinen Hits überzeugt Sänger Jörg Wolschina auf dem neuen
Album seiner Band. Der Elegante Rest veröffentlicht zwar bereits das vierte
Studioalbum, trotzdem kann man der Band den Status eines Geheimtipps nicht
absprechen.
Jörg Wolschina kann als Sänger, Songwriter und Mastermind der Berliner / Leipziger
Band Der Elegante Rest auf ereignisreiche Jahre zurückblicken, ist aber trotzdem
nie in den Fokus der Massen gerückt. Bereits im Jahr 2008 erschien mit „Warten auf
das Ende der Welt“ das erste Album des Indie-Pop Quartetts. Kurze Zeit später
gelangte man über die befreundete Gruppe Das Trojanische Pferd zum
österreichischen Label Problembär Records (u.a. Wanda, Der Nino aus Wien), bei
dem man in der Folgezeit zunächst das Album „Nebel auf dem Kontinent“ und dann
„Ungeduld“ veröffentlichte.
Obwohl Wolschina und seine Kollegen Andreas Schwaiger, Daniel Dexter und
Philipp Rohmer als fabelhafte Liveband gelten, wollte sich der Erfolg nie so richtig einstellen
und so widmete man sich anderen Projekten: Jörg Wolschina konnte man
zum Beispiel als Bandmitglied von LOT oder Die Stahlharten Bäuche erleben. Mit
„Lessons In Japanese“ erscheint am 13. Mai 2016 nun ein neues Album von Der
Elegante Rest.
Das neue Album macht deutlich, warum es womöglich sogar gut ist, dass der große
Erfolg für Der Elegante Rest ausblieb. Auf „Lessons In Japanese“ treffen Post-Pop
und Blues-Riffs auf verquerte Songwriter-Ansätze – eine mutige Kombination, die
man mittlerweile nur noch selten in deutschsprachiger Musik finden kann. Vergleicht
man das Ganze mit Musik von Andreas Spechtl oder Jochen Distelmeyer, wird man
feststellen, dass hier besonders in der Art zu Texten einige Parallelen bestehen.
Jörg Wolschina wirkt in allem aber noch etwas befreiter als seine Kollegen. So singt
er in „Silent Path“: „Ich lass mich volllaufen mein Kind, weil wir uns nicht mehr einig
sind“ und der Song „Silvester“ entwickelt sich mit seinem Refrain „Sag einfach auf
Wiedersehen, hier kommt die Nacht wie ein Haufen Geld, ich war auf Liebe
eingestellt“ zu einem eingängigen Indie-Hit. Thorben Hodan
Mai 2016_Kreuzer (DE): Lessons in Japanese
Indiechansons. Musik für Typen, die gerne rumstehen, Zigaretten rauchen und sich
Gedanken machen. Früher nannte man sie Dandys, heute kann man das neue
Album der Leipziger Band Der Elegante Rest gar nicht mehr fassen. Schlager, Jazz,
Chanson – was wissen wir schon? Aber wir hören ja auch nicht Jochen Distelmeyer.
Der Sänger Jörg Wolschina wahrscheinlich schon sehr oft. Er hat diese Stimme, der
nichts peinlich ist. Auch nicht Texte wie „Lächeln ist das Kleingeld des Glücks“.
Vielleicht ist Wolschina aber auch ein Genie, darauf lassen Zeilen wie „Nicht mal du
bist so gut wie du“ schließen. Er – oder wenn nicht er, dann zumindest seine Hörer -
liest bestimmt gerne Bücher beim Rotweintrinken und ist immer ein bisschen traurig,
was ihm aber auch viel Spaß macht. Musikalisch sind die Lieder auf „Lessons in
Japanese“ hochwertige Kompositionen. So als hätten sie es studiert. Arpen ist dabei,
Bassist Philipp Rohmer von der Spielvereinigung Sued, oder L:UV und
Schlagzeuger Andreas Schwaiger von Schwarzkaffee. „Du wirst nie wieder so
aussehen wie der frühe Mick Jagger.“ Musik auch für Typen denen die Haare
ausfallen. Juliane Streich
Oktober 2011_Intro (DE): UNGEDULD
Schöner Eisbrecher bei Konzerten: „Wir sind der elegante Rest aus der DDR“.
Es ist noch da, das alte Andersland, welches auch den Herkunftsort von DER,
Leipzig, noch immer annektiert hält. Und somit ist das hier keine Amiga-
Veröffentlichung, sondern so etwas wie der Indie-Mauerspecht der
Wiedervereinigungsmusik. Aber genug der Ost-Analogien, auch wenn die Band ihre
durchaus poliert daherkommende Eleganz im deutschsprachigen Popmusikbereich
mit seltsam uncoolem Musikstudentenanspruch realisiert.
Da heißen Songs »Lässt man mich so zu dir herein?« oder »Gewitter über
Dresden«, und der aufgeschlossene Zuhörer ist sich nicht ganz sicher, ob das nun
Kunst, Krawall oder Kapitalismus sein möchte. Der unechte Hochglanz der 80er-
Jahre strahlt mehr bildungsbürgerlichen Zuckerpop als NDW-Attitüde aus, was sich
schon nach kurzer Zeit als erschreckend antiquiert herausstellt. Klaas Tigchelaar
August 2011_TAZ (DE): UNGEDULD
Wem nach so viel Apokalypse die Ohren pfeifen, kann sich bei Der Elegante Rest erholen.
Die ursprünglich aus Leipzig stammende Indie-Band schenkt uns mit ihrem
dritten Album „Ungeduld“ ein sperriges Kleinod voller elegisch glitzernder Gitarren-
Songs, die vom ersten Ton an begeistern. Der warme, offene Bandsound lässt der
nachdenklichen Lyrik von Sänger Jörg Wolschina (mehr Regener als Distelmeyer)
viel Raum zur Entfaltung. Zwar kriselt es auch hier – das Geld ist alle, Gewitter
ziehen auf –, doch im Gegenzug zur Mediengruppe (Telekommander) findet
Wolschina noch Ruhe im Sturm. Vielleicht ist es die hier gänzlich kitschfrei
besungene Liebe, obschon voller Zweifel, die den nötigen Trost spendet (wie im
famosen Opener „Lässt man mich so zu dir herein?“). Vielleicht ist es auch ganz
einfach nur die großartige Musik dieser mit atemberaubenden Details randvollen
Platte. Das hier ist Godard und nicht Spielberg, hier ist alles in Schwarzweiß, der
verzagte Held trinkt Rotwein, Jazz und Revolte liegen eng umschlungen in der Luft.
Das hier ist das Album, das den verfrühten Herbstregen überhaupt erst erträglich
macht. Daniel von Fromberg
August 2011_Berlin Beat (DE): Interview
Jörg Wolschina just wants to make music.
The soft-spoken frontman of German indie-pop band Der Elegante Rest can’t be
bothered with the logistics of being a musician, because the business details take
away from what he loves to do. “I have always liked pop music [and] I just want to
make music. I just want to play and record,” he said. “I’m most interested in the
creative part of this.” Unfortunately though, the devil is in the details, and it’s
something every artist must come to terms with. “I really like being a musician, but I
really hate to organize all this stuff, the band, or to [book] concerts,” he said. “Most of
the time it’s very hard to get good concerts or to even get the money to [travel]. ”
When Wolschina first began playing music, the behind-the-scenes aspects were the
furthest thing from his mind. He got his start at the tender age of five, beginning with
the piano, and then adding in the violin, and eventually guitar. From the age of 16
onward, he was in bands, but it wasn’t until he was attending music school in Leipzig
that his current project, Der Elegante Rest, came about. The lineup includes
Wolschina on vocals and guitar, and from time-to-time, he will play keyboards. Timo
Klöckner plays guitar as well, and Andreas Schwaiger fills in on the drums. As for a
bassist, Wolschina said there has been a rotating cast of bass players, although
Phillip Rohmer is the most recent addition.
Now with three albums in as many years – the most recent of which, “Ungeduld,”
came out in May on Problembär Records – Wolschina said his approach to
songwriting varies, depending on his mood – sometimes he just lets it come to him
naturally, but other times he will stick to a recording regime. “I have some phases.
Maybe three months [I’ll] write every day or record every day, or improvise
something,” he said. But he admitted there is a downfall to forced writing, in that not
every thing that results is something he considers good. “Out of these hundreds of
recordings there are maybe three good songs,” he shared. “[But] there always
comes something out, and I really like that. And when I do that I’m quite happy, so
this is absolutely not frustrating.”
And when it comes to the albums themselves, Wolschina feels that they are only
partial representations of the music, like pieces of a puzzle. “It’s all…a fragment, a
mosaic,” he explained. “It’s not very finished, I think, what I do. All the songs, they
are not finished.” By this he means that each song is constantly being reinterpreted
and rewritten, and live versions can vary from those captured on recordings.
While the band is primarily his vision, Wolschina said he relies on his bandmates
and friends to help him flush out song ideas, by presenting them with arrangements or pieces of songs and asking for suggestions. “I really like to be with…friends who
make music or have ideas and maybe inspire you,” he said. “Because sometimes
you’ve got maybe a good idea but you [need help to] develop it.” As for what inspires
his songwriting, Wolschina said it is any kind of change that prompts him to write. “I
don’t know if it’s the sadness, but when you miss something – it doesn’t have to be a
person – [when] there’s something missing in your life, I think this is always a good
point,” he said. “Or with me, when something is changing, my life situation is
changing, I change the place where I live or I have a new job, or something like this, or something happens…then I’m very creative or I want to articulate the situation.”
Yet he prefers to keep lyrical content slightly at arm’s length, in order to avoid giving away too much of himself, and to see the situation from a different perspective.
“They are personal. These are my opinions and how I see things, but there’s always
a kind of distance,” he said. “Maybe they are kind of cinematic. I really like movies…
and there’s always…in some songs, a kind of landscape where things are happening
or I am moving.” This movement is a common theme, both in the music Wolschina
crafts and in the kinds of music he is attracted to. “If it’s intense in all kinds of ways,
then it’s good,” he said, of music that interests him. “Or, if it moves me, then I move.”
In terms of where Der Elegante Rest will move next, Wolschina is uncertain, but
feels no pressure to define or determine what the future holds.
“ I see this band as a big project,” he said. “I don’t know how it will sound like next
year…[but] I will always be a part of it.” Natalye
Juli 2011_The Gap (AT): UNGEDULD
Berliner Liedhandwerkskunst trifft auf Wiener Melancholie: Das Endprodukt ist eine
grundsympathische Zurückhaltung, der es leider an neuen Ideen mangelt.
“Ich sag‘s wie es ist, ich hab keine Lust mehr.“, singt Jörg Wolschina im Lied „Im
Lauf der Zeit“. Doch der Frontmann des Eleganten Rests klingt im Zweifelsfall doch
zu redselig für Resignation: Die Berliner Band, die auf dem Wiener Problembär-
Label unter Vertrag steht, hat sich anscheinend zuletzt die ein oder andere
ortsansässige Attitüde einverleibt. Auf ihrem mittlerweile dritten Longplayer
“Ungeduld“ gibt sich die Band jedenfalls heimelig raunzend und fast durchgehend
ironiefrei. Es klingt nach Jugendzimmer und Kopfhängemusik, nach zu viel
gerauchten Zigaretten und nach traurig-lakonischem Alltag. Songs wie
“Schaufenster“, “Eifersucht“ oder “Winterlied“ erinnern an die Hochzeiten der
Hamburger Schule und an die himmelhochjauchzend und zu Tode betrübten
Stilblüten einer vermutlich ähnlich sozialisierten Adoleszenz, in der wir alle einmal
bedeutungsschwangere Sätze in unsere künstlerischen Tagebücher schrieben.
Das alles ist nicht neu, aber schön – es ist die Art Musik, die man vor zehn Jahren
wohl seinen Freunden auf Mixkassetten überspielt hätte. “Ungeduld“ ist vor allem
dort gut, wo die Musiker sich aus der dem Album unangenehm anhaftenden
Resignation herausspielen: In “Küsse zum Abend“ klingt der Elegante Rest
beispielsweise so euphorisch-elegisch und erregt, das man ihnen am liebsten die
ganze Nacht durch beim Musikmachen zuhören möchte. Der Song hebt sich empor,
trägt Gefühl und Sinnlichkeit in sich. Doch das Aufbrausen ist meist so schnell
wieder weg, wie es aufgetaucht ist.
Ganz objektiv: Im Grunde stimmt ja alles mit den charmanten Berlinern.
Intelligente Texte, wohlproportionierte Dramaturgie und aufeinander eingespielte Musikalität
sind dem Eleganten Rest hoch anzurechnen. Schade ist einzig, das man dauernd das Gefühl hat,
die Band könnte noch so viel mehr, als sie hier von sich preisgibt.
“Ungeduld“ ist eine sehr okaye Platte, die nur dadurch nicht richtig gut ist, weil die
Gruppe das Potential hat, auch etwas wirklich Großartiges zu schaffen – so sie sich
erst einmal den Altlasten ihres hochstilisierten Alltagstrotts befreien würde. Ein wenig
mehr im Jetzt zu stehen und sich des über die Jahre angesammelten Kleinkrams zu entledigen, könnte der Band für zukünftige Projekte womöglich sehr gut stehen.
Michael Kirchdorfer
März 2010_trickster.at: Nebel auf dem Kontinent
„Lauf, Pferdchen, lauf – wohl, noch nie einen betrunkenen Profi gesehen?“
Es gibt ja durchaus einige Möglichkeiten, ein gutes Album zu beginnen. Man kann
den Zuhörer dazu verleiten, eine gewisse Spannung auf den Rest aufzubauen. Man
kann durchaus auch das beste, rhythmischste Lied gleich an den Anfang stellen, gar
kein Problem. Beim Album Nebel auf dem Kontinent der Leipziger-Berliner Band Der
elegante Rest erübrigt sich erstmals jeder Kommentar zum Anfang, ironischerweise
hört man sich besser den Rest des Albums an – der ist nämlich nicht nur eleganter
als der Anfang, sondern vor allem schläft man nicht sofort dabei ein.
Da gefällt das zweite Lied, La Dolce Vita, um einiges besser. Entspannt, aber nicht
zu ruhig – eine gute Mischung, das zieht sich auch durch die anderen Lieder: Junge
in Uniform – nicht unbedingt anspruchsvoll, aber sowas hört man doch auch hin und
wieder mal gerne.
Bei Fernfahrer drängt sich kurz die Frage auf, warum Deutsche ständig über
Autobahnen singen müssen – ob man denn keine andere Themen hat? Nach
wenigen Sekunden verschwindet dieser Gedanke aber schnell wieder – die Zeile „Ich
esse mein Pausenbrot, und irgendwann sind wir mausetot“ kann dem geneigten
Zuhörer durchaus einen quälenden Ohrwurm bringen – ob das wohl als
Qualitätskriterium für Musik gilt?
Wie auch immer, als nächstes führt uns das Album nach Frankfurt am Main – nein,
kein Lied über die Börse, kein Lied über einen Fluss,
nicht mal um die Wurst geht es worum es genau geht, kommt auch nicht wirklich raus.
Eventuell eine banale Liebeserklärung an eine deutsche Großstadt – ganz so banal klingt das Lied dann
aber doch nicht, da haben wir auf dem Album schon schlechteres gehört. Ganz im
Gegenteil, das Lied ist eigentlich einer der Lichtblicke im Album.
Ebenso mysteriös wirken die Texte der nächsten Lieder, so heißt es zum Beipsiel in
„Hell erleuchtet“: „Dicke Freaks rücken staubiges Inventar, (…) es brennt die Luft und
die Frauen tragen Schlangen im Haar“. Ob das wirklich philosophisch ist, oder
einfach nur eine zufällige Aneinanderreihung irgendwelcher Begriffe, die dem
Hörergehirn das Gefühl geben sollen, dass das Gehörte Sinn ergibt – das sollte jeder
für sich entscheiden – die Musik enthält jedenfalls ganz interessante Elemente.
Die restlichen Lieder enthalten wenig Spektakuläres, nicht mal Braveheart kann
einen vom Hocker reißen.
Ob das jetzt Albumfüller sind, oder doch der Stil der Band ich weiß es nicht, ich hoffe auf Ersteres.
Fazit: Wer auf ruhige, nachdenkliche Musik steht, wird im Album sicher fündig
werden. Alle anderen können sich über Junge in Uniform, Fernfahrer und Frankfurt
am Main freuen – ist doch auch schon etwas, oder? Lukas Linemayr
Februar 2010_Intro (DE): Nebel auf dem Kontinent
Der Elegante Rest gibt sich traditionsbewusst und beweist, dass kultivierte Musiker
nicht hip sein müssen, um große Kunst zu fabrizieren. Am besten, man macht es
einfach wie die Vögel … „Belvedere, du fehlst mir so sehr, Bruder und Schwester,
Goldfischteich“ – na, ein wenig gestelzt kommt er schon rüber, Der Elegante Rest.
Und da sind ja nicht nur die aristokratischen Texte, nein, auch die Musik atmet den
Geist des Altehrwürdigen. Die Genres, in denen sich die Band aus Leipzig und Berlin
aufhält, sind jedenfalls allesamt im untersten Bereich der aktuellen Hipness-Skala
angesiedelt. „Belvedere“, das Eröffnungsstück der Platte, ist ein gemächlich
schwofendes Wehmuts-Chanson mit dramatisch-cineastischem Finish, „La Dolce
Vita“ ist Oldschool-Indie ohne jeglichen Dance-Appeal, bei „Fernfahrer“ handelt es
sich tatsächlich um ehrlichen Bluesrock, und bei „Schlechte Erziehung“ wird herrlich
altmodisch mit dem Varieté kokettiert.
Man mag sich diese Band gar nicht auf den gängigen Indierock-Bühnen der Nation
vorstellen, eher denkt man an Kleinkunst und Theater. Wobei das mit der Kleinkunst
von Sänger und Songschreiber Jörg Wolschina nicht so gern gehört wird: „Denk ich
an Kunst – denk ich an große Kunst. Wir gehen nicht so viel ins Theater, weil das
Geld immer so schnell weg ist, aber wenn – gefällt uns das viel besser.“ Ein
akademischer Geist weht aber in jedem Fall durch die Musik, schließlich handelt es
sich bei den fünf Bandmitgliedern nicht um Drei-Akkorde-Punks, sondern um
Musikstudenten. „Uncool ist im Grunde nur, wenn du alles machst, was du weißt“,
entkräftet Wolschina den Mucker-Verdacht. „Bei fast jedem Konzert gibt’s Verspieler
und Probleme mit der Intonation.“ In den lyrischen Texten inszeniert sich Wolschina
allerdings schon eher als Dichter und Denker denn als verständnisvoller Kumpel von
nebenan. Als vertonte Gedichte möchte er die Songs aber nicht verstanden wissen:
„Ich mag die Verbindung von Sprache und Musik. Das ist ein bisschen wie bei den
Vögeln – die singen auch, wenn sie sich unterhalten.“ Irgendwie passend ist
jedenfalls, dass Der Elegante Rest zuallererst in Österreich auf offene Ohren
gestoßen ist und „Nebel auf dem Kontinent“ nun auf einem Wiener Label erscheint.
In Wien – da versteht man halt noch was von Tradition. Oliver Minck
März 2009_LVZ (DE): Warten auf das Ende der Welt
Wo wartet man am besten auf das Ende der Welt? Vielleicht in einer Bar? Dort ist es
ja doch ein wenig wie auf einem Hochseeschiff, alles bewegt sich langsam, und man
hat viel Zeit nachzudenken, bevor man untergeht. Möchte man seine Liebsten bei
sich haben? Oder ist der Fremde neben einem die größere Notwendigkeit? Jörg
Wolschina, Sänger dieser wirklich relevanten Leipziger Band namens Der Elegante
Rest, zieht eher ein letztes Mal einige verknitterte Bilder aus der Tasche und geht
mit einem zynischen Grinsen unter.
Wolschina würde wohl begründete Panik nie als Geschenk verstehen. Beim ersten
Stück des Albums stolziert das Bar-Piano erstmal durch den Raum, nüchtern und
aufgeweckt. Der Titelsong „Warten auf das Ende der Welt“ ist zwar eher Country für
den Studentenclub, beachtlich ist es aber, wie schnell man Wolschinas Stimme das
Vertrauen schenkt. Keine Wortfallen, keine peinlichen Gesten, kein gespreiztes
Zurschaustellen von Fertigkeiten oder Möglichkeiten. Wo sich andere Indiebands an
kniffeligen und Brüchen zerdenken, spielen sich Der Elegante Rest direkt ins Gehör.
Avantgarde-Schlager nennen das die Studenten der Musikschule, und tatsächlich
möchte man fast meinen, hier könnte Pop zu einer dialektischen Disziplin werden,
der sich Wolschina vor die Füße wirft. Lange hat man nichts Deutschsprachiges
gehört, das einen derart Schmunzeln lässt. Produziert wurde das Album unter anderem
von Sven van Thom im Funkhaus Berlin. Von ihm ist man ja einen ähnlichen hintersinnigen Humor gewöhnt,
wenngleich seine Bilder nicht so klar leuchten wie diese hier.
„Warten auf das Ende der Welt“ ist bereits vor einem halben Jahr
erschienen, aber braucht jetzt im Frühling jede Aufmerksamkeit, weil man der
finsteren Jahreszeit damit nicht arroganter ins Gesicht nicken könnte. Es ist ja
sowieso alles vorbei, richtig? Also, Haltung bewahren. Patrick Sudarski
Februar 2009_Kreuzer (DE): Warten auf das Ende der Welt
Dass in Leipzig eine Musikhochschule steht, kriegt man vor allem deswegen mit,
weil jeden Monat Schüler derselben ihre Violinensoloabende präsentieren. Der
elegante Rest hat sich auf den Gängen der HMT wohl eher für den Proberaum
verabredet. Inzwischen ist die Hälfte der Band musikbranchenüblich nach Berlin
gezogen, wo sie ihr erstes Album aufgenommen haben, das nun auf dem Leipziger
Kleinlabel Palmo erschienen ist und mit der Hilfe von »Who put the L in Leipzig?“ in
die weite Welt vertrieben wird. 60 Songs haben die Jungs angeblich in letzter Zeit
geschrieben, 13 davon haben es auf »Warten auf das Ende der Welt“ geschafft. Ein
Album für den Schlagerfreund der elektronischen Gitarre. Menschen, die Manfred
Krug hören, fühlen sich erinnert. Leider tendiert die Monotonie des Gesangs aber
zum Nervigsein. Die Texte dagegen sind einfach, aber wahr. Und was sich reimt, ist
gut: »Du bist daneben, so ist das eben, du willst nicht leben, dich übergeben.?“
Ansonsten geht es um Tanz ins Spätprogramm des Plattenbaus, lamentierende
Spinner und die Frage, wer wirklich die Geliebte ist. Juliane Streich
Oktober 2008_blueprint-fanzine.de: Warten das Ende der Welt (Demo-Release; teilweise noch andere Lyrics)
Sehr apart: Der Bandname. Die Erscheinung. Die Aufmachung des Debüt-Albums.
Das niedliche Musikvideo auf der beiliegenden DVD. Irgendwo zwischen Old School
und Kunst, zwischen Vagabondage und Luxus. Sehr eigenwillig auch der Gesang,
Jörg Wolschina, der sich in den Gehörgang einschleicht, sich in der Ohrmuschel
einnistet. Die Texte sind manchmal poetisch, manchmal schnoddrig, manchmal
verkopft, immer irgendwie befindlichkeitsfixiert. Deutschsprachiger Indie-Rock-Pop
mit Tasteninstrumenten, für den ELEMENT OF CRIME sicherlich genauso Pate
standen wie TOCOTRONIC. 13 Stücke für Bohemiens, Melodien, die durch
kosmopolitische Köpfe schweben, Texte für Nachmittagsphilosophen, Titel, die zum
mondänen Träumen anregen. Ein ausführliches Booklet wäre hier nützlich.
Besonders schön: „Der Teufel kam von nebenan“; mit mehr Schwung: „Hardcore“;
außergewöhnlich und gelungen (vielleicht ein bisschen zu bemüht): „Narziss“;
nervig: „Kreisverkehr“. Die sechs Jungs aus Leipzig haben sowohl POLARKREIS 18
begleitet als auch den reizenden GISBERT ZU KNYPHAUSEN, der ihnen allerdings
an Direktheit überlegen ist. Henrike Rohloff
August 2008_Postpunk.de (Forum/Blog): Warten auf das Ende der Welt (Demo-
Release; teilweise noch andere Lyrics)
… wurde kürzlich bei den 49Sonnen angesprochen. Und da ich heute abend in der
Laune bin, mir unbekannte Musik anzuhören und ich auch schon lange nichts mehr
in Richtung des CD-Projektes und der Trashzension gemacht habe, dachte ich mir,
schreib doch auch mal was darüber.
Vielleicht sind sie ja gut! Schließlich kann man sich das Produkt ja auch auf LastFm anhören.
Und zwar in voller Länge! Und sogar in akzeptabler Qualität herunterladen (ich neigte kurzfristig zum Begriff
“downloaden”)
Und für mich nicht unwesentlich: Der elegante Rest ist eine Band aus Leipzig und
sie machen deutschsprachige Texte. Und da habe ich ja ein Faible für! Und so
gestatte ich mir jetzt einfach einmal einen Liveticker zu Der elegante Rest und ihrem
Album Warten auf das Ende der Welt zu machen . Natürlich immer in der Hoffnung,
daß der Trackback irgendwo dort auftaucht wo man das Album, bei Gefallen,
eventuell gewinnen könnte!
Vielleicht sind der elegante Rest ja sogar Postpunk? Noch weiß man das ja nicht!
Fangen wir an:
Lied 1 – Warten auf das Ende der Welt: Gitarre schrammelt … “Keine Musik mehr”
… “Sao Paulo” …! Musikalisch fehlt mir da momentan etwas das eingängige
Element. Die Melodie ist o.k.! Etwas bluesig! Ganz am Ende nimmt das Lied etwas
Speed auf und wird merklich besser. Leider etwas zu spät! Für ein Stück am Anfang
der CD definitiv zu tränig!
Lied 2 – Es war nur ein Kuss: Chorgesang? Prinzen? Halt! Glück gehabt! Etwas
Chanson! Schon eher etwas für mich. Nette Orgel, gefällt mir! Relaxed! Vielleicht
den Prinzenchor am Anfang weglassen? “Red kein Quatsch, Du hast doch keine
Ahnung von Musik” O.k., dann halt das nächste Stück.
Lied 3 – Kreisverkehr: 70er Klampfen am Anfang – und auch wenn ich mich jetzt
unbeliebt mache – … Ostrock! … Puhdys! Muss ja nicht unbedingt schlecht sein
wenn es denn gefällt. Mir allerdings nicht! … Los, beim nächsten Stück aber mal
jetzt etwas rocken!
Lied 4 – Der Teufel kam von nebenan: Akustikgitarren und “die Blumen stehen in
Blüte”. Also noch etwas ruhiger. Und das nicht schlecht! Die Reime sollten noch
einmal überdacht werden, aber dennoch bisher das beste Stück auf der CD. Die
Melancholie des Stückes passt zum Gesang. Element of crime?
Lied 5 – Energieverschwendung: Blöder Titel! 70er? Ganz am Anfang dachte ich,
daß es groovy werden würde. So Sterne-mäßig. Immer noch die nette Orgel dabei!
Dem Sänger würde ich gerne mal einen Tritt geben! Hey! Groove! Die Stimme passt
doch! Mann! Gib doch einmal im Leben etwas Gas!
Lied 6 – Der rote Salon: Halbzeit! Jetzt müssen die Jungs aber wirklich noch etwas
Gas geben! Machen sie auch! Gitarren! Bremse rein! Es wird gesungen! “Du bist ein
Schurke!” Ist o.k., aber leider erwarte ich heute etwas mehr Charisma! Manche
Harmonien gefallen mir wirklich gut, aber irgendwie klingt das immer etwas nach
Hildegard Knef mit Placebo Gitarren!
Lied 7 – Übungsgelände: Bisher das beste Stück. Abwechslungsreich, sogar die
Clawfinger Gitarren gefallen. Textlich habe ich manchmal das Gefühl, daß mir
Fragmente um die Ohren gehauen werden und nicht ganz zuende gedacht wird.
Aber ich muss das ja auch nicht alles verstehen. Dennoch das Lied gefällt mir! Da
passt es! Und der Schluss kling nach einer Tatort-Melodie!
Lied 8 – Alles schwimmt: Gefällt! Schlagzeug klingt gut! Nette Abwechslung
zwischen Ruhe und Dynamik! Gute Melodie und endlich einmal das Gefühl, daß die
Puhdys nicht mehr die Väter des Liedguts sind. Mit 3 Minuten dann doch fast zu
kurz! Alles wird gut?
Lied 9 – Bist du wirklich meine Geliebte?: Neil Young? Anfang rockt! Und wieder
fehlt etwas! Ein guter Refrain! Eine Hookline! Etwas Leidenschaft! Und ausserdem
ist das jetzt echt blöd abgemischt! Definitiv zuviel des Guten! Auch wenn das Lied am Ende, zumindest musikalisch, besser wird! Der Reim: “Scheues Reh – Silbersee”
wird wohl eher keinen Einzug in die Herzen der Hörer finden. Schade eigentlich!
Hätte man was daraus machen können.
Lied 10 – Kompliziert: Hat er jetzt wirklich “Dandy” gesungen? Ich tanze jetzt Walzer!
Und dennoch: Irgendwas fehlt immer! Wenn der Refrain o.k. ist, dann haut das mit
der Strophe nicht hin! Egal, Walzer ist nett und deshalb ist der Reim “Mensch –
kennst” auch noch zu ertragen. Falsch! Man kann es schon anhören und der Stil
passt zum Gesang!
Lied 11- Zwei Spinner: Das letzte Lied! Ich betrachte das neutral! Bass! Musikalisch
bisher o.k.!
Gesanglich auch! Aber was soll dieser komische Hall? “Taaaanz!” Dennoch, ich
wiederhole mich: Musikalisch kann das gefallen! Das Arrangement ist stimmungsvoll
und wirklich gut gemacht!
Fazit: Ich habe keine Ahnung seit wann die Band schon zusammen ist, aber wenn
man sein Werk einer breiteren Öffentlichkeit zur Schau stellt, muss man auch Kritik
vertragen können: Handwerklich ist das Ding recht ordentlich. Musikalisch in
Ordnung, aber nicht weltbewegend! Textlich leider grottenschlecht! Das fällt weniger
auf wenn man englisch singt. Dann kann man sich auf den Gesang konzentrieren,
der wirklich o.k. ist, wenn auch manchmal viel zuwenig Enthusiasmus und
Leidenschaft verbreitet wird.
Die angesprochenen Element of Crime machen das ähnlich, haben aber textlich
einfach mehr zu bieten.
Ansonsten wo würde ich die Band einordnen? Mit sehr viel Wohlwollen: Musikalisch irgendwo zwischen Element of Crime, Poems for Laila und M. walking on the
water! Anajo oder gar die fantastischen Geschmeido kann ich leider nicht erkennen.
Alles in allem: Ist o.k., aber kaufen würde ich mir das Ding aufgrund mangelnder
Leidenschaft wirklich nicht! In letzter Zeit gibt es eigentlich sehr viele gute deutsche
Bands und für den eleganten Rest bedeutet das letztendlich: Es reicht halt einfach
nicht!
Kommentar (juliaL49):
Hach ja, das mit den Trackbacks…
Aber deine Rezension klingt wesentlich professioneller und deswegen habe ich mal
einen Link gesetzt. Doch mir gefallen die Texte schon einigermaßen (wenn man
wirklich mal, mit den englischen vergleicht)